Ideenprogramm
- Dieses Ideenprogramm wurde auf der Jahresversammlung 2024 verabschiedet.
Das Ideenprogramm basiert auf einer Umfrage, an der sich fast hundert Mitglieder beteiligt haben (Zusammenstellung), sowie auf Mitgliedertreffen, bei denen die Fragen diskutiert wurden. Die nachstehenden Zusammenfassungen spiegeln die wesentlichen Schwerpunkte wider, geordnet nach der Häufigkeit, mit der die jeweiligen Themen von den Teilnehmenden genannt wurden. Bei der Auswertung der Ergebnisse wurden sowohl die Mehrheitsmeinung als auch abweichende Ansichten berücksichtigt. Wo ein breites Meinungsspektrum bestand, wurde nach Formulierungen gesucht, die der Komplexität und Vielfalt der Gruppe gerecht werden.
Das Dokument soll als Leitfaden für die Vermittlung der Ansichten und Ideen dienen, für die Wikimedia Schweden steht. Es kann als Grundlage für die Kommunikation, die Interessenvertretung sowie die Prioritätensetzung bei Kooperationen und Projekten des Vereins dienen.
Offenheit für freies Wissen
Eine offene Gesellschaft fördert die Verbreitung von Informationen und den freien Zugang zu Wissen. In diesem Zusammenhang bedeutet Offenheit, dass wir als freie Individuen Informationen und Wissen hervorbringen, kostenlos auf Wissen zugreifen und es teilen sowie auf vorhandenem Wissen aufbauen können. Es bedeutet zudem, dass der öffentliche Sektor offen und transparent arbeitet. So wie Offenheit eine Voraussetzung für freies Wissen ist, ist freies Wissen eine Voraussetzung für Offenheit. Menschen sind weniger frei, wenn ihnen der Zugang zu verlässlichem, glaubwürdigem und freiem Wissen fehlt.
Wikimedia Schweden setzt sich für eine offene Gesellschaft ein, die auf freiem Wissen basiert.
Freies Wissen für Demokratie
Alle Menschen haben ein Grundrecht auf Wissen sowie darauf, Informationen zu suchen, zu empfangen, zu teilen und zu verbreiten, ebenso wie sie ein Recht auf Meinungs- und Äußerungsfreiheit besitzen. Dies ist sowohl in der UN-Menschenrechtscharta als auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention verankert. Diese Rechte bilden zudem die Grundlage für die Macht und den Einfluss der Menschen in einer Demokratie. Um diese Rechte zu schützen und zu stärken, bedarf es freier Plattformen und Werkzeuge, die Wikimedia-Plattformen sind hierfür starke, stabile und bekannte Beispiele. Mithilfe solcher Werkzeuge können Internetnutzer gemeinsam Informationen und Wissen schaffen, Fakten vermitteln und in einen Kontext setzen, Meinungen äußern sowie auf der Basis demokratischer Prinzipien und des Strebens nach Konsens handeln. Digitale Werkzeuge wie die Wikimedia-Plattformen bieten Internetnutzern praktische Übungsmöglichkeiten im Umgang mit Quellenkritik sowie die Gelegenheit, auf Quellenmaterial zuzugreifen und dieses zu ergänzen. Gleichzeitig ist es von entscheidender Bedeutung, die Integrität der Menschen sowie das Recht auf anonyme Mitwirkung zu wahren. Selbstverständlich legen wir besonderen Wert auf die Zusammenarbeit mit demokratischen Akteuren, die unsere Ziele und Absichten teilen.
Wikimedia Schweden strebt danach, die demokratische Gesellschaft durch die Förderung der Verbreitung freien Wissens zu stärken.
Freies Wissen für Forschung und Bildung
Es besteht eine gegenseitige Abhängigkeit zwischen freiem Wissen einerseits sowie Bildung und Forschung andererseits. In einer Gesellschaft, die Bildung und Forschung schätzt, erhält freies Wissen den Raum, sich zu entfalten und zu wachsen, was wiederum die Bildung fördert und der Forschung zugutekommt.
Die UN betrachtet Bildung und lebenslanges Lernen als grundlegende Menschenrechte. Zudem bildet freies Wissen die Basis für kritisches Denken, das Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft oder ihren Lebensumständen – dazu befähigt, eine aktive Rolle in der Gesellschaft zu übernehmen. Schweden verfügt über eine ausgeprägte Tradition der öffentlichen Bildung, die lebenslanges Lernen und kritisches Denken fördert. Im Bereich der digitalen öffentlichen Bildung sind die Wikimedia-Plattformen sowohl als Bildungsressourcen als auch als Instrumente zur Wissensvermittlung von Bedeutung. Auch die Vielseitigkeit dieser Plattformen, sowohl hinsichtlich ihrer Inhalte als auch ihrer Form, trägt zu ihrer Relevanz für informelles wie formelles Lernen bei.
Offene Bildungsressourcen, offener Zugriff und offene Forschung sind einige der Schlüsselbegriffe dieser Entwicklung, ebenso wie die Entwicklungen rund um die offene Publikation von Forschungsergebnissen und der Bedarf an offenen Forschungsdaten. Die Wikimedia-Plattformen können zum zentralen Knotenpunkt für freie Bildungs- und Forschungsressourcen werden, insbesondere in enger Zusammenarbeit mit dem Bibliothekswesen.
Wikimedia Schweden setzt sich dafür ein, die Verbindungen zwischen Forschung, Bildung und freiem Wissen zu stärken, damit diese einander zugutekommen und zu einer nachhaltigeren und gerechteren Gesellschaft beitragen.
Freies Wissen für kulturelles Erbe
Das kulturelle Erbe ist das Ergebnis der gemeinsamen Bestrebungen und der Kreativität der Menschheit, zudem verknüpft die UN kulturelle Rechte mit unserer Menschenwürde. Indem wir das kulturelle Erbe für die Menschen zugänglich machen, schärfen wir das Bewusstsein dafür, wer wir sind und woher wir kommen. Heutzutage sind noch immer zu viele Zeugnisse des kulturellen Erbes unzugänglich, nicht digitalisiert und unbekannt. Ein Großteil dieses Erbes ist zudem mangels Digitalisierung durch den Zahn der Zeit, durch Kriege und den Klimawandel gefährdet. Oftmals ist es zudem auf verschiedene Orte aufgeteilt und verstreut, nicht selten wurde es von seinem ursprünglichen Ort entfernt. Durch die Digitalisierung und Zugänglichmachung – und damit die Befreiung – des kulturellen Erbes erhalten Menschen weltweit Zugang zu Wissen, das über den physischen Raum hinausgeht. Die Digitalisierung des kulturellen Erbes führt dazu, dass mehr Menschen die physischen Quellen finden, diese werden dadurch bekannter und durchsuchbar. Wenn Wissen genutzt, weiterentwickelt, in einen Kontext gestellt, angereichert, aufbereitet und vernetzt wird, kann es den Menschen auch ein Verständnis für den physischen Raum sowie einen Bezug dazu vermitteln.
Auf der Grundlage dieses Wissens können sowohl wir als Verein als auch die breite Öffentlichkeit auf dem gemeinsamen kulturellen Erbe aufbauen. Wenn kulturelles Erbe frei zugänglich wird, erhalten alle gleichen Zugang zu Ideen, Formen und Gedanken, dies fördert die Kreativität in der Gesellschaft und trägt so zu einer freieren Kultur bei.
Wikimedia Schweden setzt sich für ein freies und zugängliches kulturelles Erbe ein – für eine freiere und kreativere Gesellschaft, in der alle Menschen am kulturellen Erbe teilhaben und darauf aufbauen können.
Voraussetzungen für freies Wissen
Damit sich die Offenheit für freies Wissen in der Gesellschaft durchsetzt, setzt sich Wikimedia Schweden für die folgenden fünf Voraussetzungen ein:
- Gesetzgebung für freies Wissen: Wir benötigen nationale und internationale Rechtsvorschriften – nicht zuletzt im Bereich des Urheberrechts – die freies Wissen und technologische Entwicklung fördern, etwa für Bildung, Forschung und das kulturelle Erbe. Rechtsvorschriften, die freies Wissen fördern, sind eine absolute Voraussetzung für die Aktivitäten der Wikimedia-Bewegung.
- Digitale Infrastruktur für freies Wissen: Die Gesellschaft muss, in Zusammenarbeit verschiedener Akteure, in eine wirksame digitale Infrastruktur investieren, die vorwiegend auf offener Software und Open-Source-Code basiert, und diese weiterentwickeln. Eine solche Infrastruktur ist unerlässlich, um ein Umfeld zu schaffen, in dem freies Wissen problemlos geteilt und langfristig gepflegt werden kann.
- Digitalisierung für freies Wissen: Die Akteure, die über das Wissen verfügen, müssen aktiv an der Digitalisierung ihrer Abläufe und Arbeitsweisen arbeiten, um wirksam zu freiem Wissen im Internet beizutragen. Viel zu viel Wissen ist an physische Orte gebunden, ein erhebliches Hindernis für den freien Zugang zu Wissen.
- Zusammenarbeit für freies Wissen: Mehr Akteure aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen müssen auf nationaler und internationaler Ebene zusammenarbeiten. Wissen, Erfahrungen und Fachkenntnisse müssen geteilt werden, damit das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden muss.
- Transparenz für freies Wissen: Transparenz ist ein Grundprinzip, das bei immer mehr Aktivitäten und in immer mehr Unternehmen, insbesondere im öffentlichen Sektor, als Leitlinie dienen sollte. Transparente und leicht zugängliche Informationen ermöglichen es den Menschen, fundierte Entscheidungen zu treffen und freier zu wählen, zudem tragen sie dazu bei, das Vertrauen in Unternehmen und das Verständnis für diese zu stärken.